CLAUDIO MONTEVERDI – BALLO.MORTALE        zurück »
Il lamento d'Arianna /
Combatimento di Tancredi et Clorinda /
Ballo delle ingrate (in Originalsprache)

Leading Team
Musikalische Leitung: Lorenz Duftschmid
Regie: Philipp Harnoncourt
Choreographie: Andras Vanyolos & Orsolya Vanyolos

Besetzung
Arianna / Ingrata: Barbara Jernejcic
Venus: Camilla Singh
Pluto: Igor Durlovski
Testo / Tirsi: Daniel Johannsen
Amor: Wiener Sängerknabe
Clorinda / Ingrata: Agnes Scheibelreiter
Tancred / Teseo: Matthias Helm
Consigliero: Bartolo Musil

(Fotos: © Klinger & Husar OEG Wien)

Claudio Monteverdi
Claudio Monteverdi wurde am 15. Mai 1567 in der lombardischen Stadt Cremona getauft. Schon in frühen Jahren gab ihn sein Vater beim berühmten Madrigalkomponisten Marco Antonio Ingegnieri in die musikalische Lehre. 1590 trat er in die Dienste des Herzogs Vincenzo Gonzaga zu Mantua und reiste in seinem Gefolge durch viele Länder und Städte. Dabei gelangte er auch nach Florenz und nahm an der Uraufführung von Peris "Euridice" teil.
1607 wurde im Palazzo Gonzaga Monteverdis erste Oper uraufgeführt: L' Orfeo. Nach dem Ableben des Herzogs Vincenzo im Jahre 1612 erhielt er die begehrteste musikalische Position Italiens: Er wurde Kapellmeister der berühmten Musikkapelle von San Marco. Dort musizierte, komponierte und unterrichtete er über dreißig Jahre bis zu seinem Tode am 29. November 1643.
Insgesamt komponierte Monteverdi mindestens 18 Opern, nur L' Orfeo, L' Incoronazione di Poppea, Il ritorno d'Ulisse in patria und die Arie Il lamento d'Arianna aus seiner zweiten Oper L' Arianna sind der Nachwelt erhalten geblieben.


Philipp Harnoncourt: Gedanken zum Stück
Geschichten erzählen – am Lagerfeuer, im Theater - die Spur außergewöhnlicher Ereignisse aufnehmen ... wir können dem Wunder nicht gebieten, wohl aber Zeugnis davon ablegen. BALLO.MORTALE beschäftigt sich mit zweierlei Wundern – mit dem der Liebe und mit dem Wunder der Kunst Claudio Monteverdis.

Das Lamento der Arianna war zu seiner Zeit von größtmöglicher Wirkung. Bei seiner Erstaufführung 1608 am Hof zu Mantua bewegte es das adelige Publikum zu Tränen, und es führte in der Folge zu einer großen Zahl ähnlicher Werke von anderen Komponisten und auch von Monteverdi selbst. Die Interpretation führt uns daher wie von selbst zum Menschen der Spätrenaissance, zur höfischen Kultur der Liebe, zur pastoralen Schwärmerei, die philosophisch und kritisch die eigene Macht und die politische Gewalt reflektierte.

Die Oper „Arianna“ ist verlorengegangen, das „Lamento“ blieb übrig. Wir stellen der Klage der verlassenen Arianna die Vorgeschichte voran - der Monteverdi-Zeitgenosse Severo Bonini hat einen Teil desselben Librettos vertont: Der antike Held Theseus verspricht Arianna, die ihm aus dem Labyrinth gerettet hat und die für ihn Heimat und königliches Elternhaus aufgegeben hat, eine herrliche Zukunft in Athen, als Gemahlin des Herrschers, verwöhnt, geschmückt, geehrt... sie verbringen ihre erste gemeinsame Nacht in einem romantischen Fischerhüttchen. Am frühen Morgen stiehlt sich Theseus davon und besteigt das Schiff ...

Mit dem Combatimento di Tancredi et Clorinda vertonte Monteverdi eine Episode aus Torquato Tassos “Befreites Jerusalem”, das große Epos des christlichen Kreuzzuges. In einem entfesselten Krieg der Geschlechter und Konfessionen schlägt sich der christliche Ritter Tancred mit der moslemischen Heldin Clorinda, es ist die Frau, die er liebt, aber er erkennt sie hinter ihrer Rüstung nicht. Zu spät werden die Helme gelöst. Ihm bleibt nur noch, die Sterbende zu taufen.

Im dritten Teil des Monteverdi-Abends wird das Thema der Liebe etwas allgemeiner, ironischer in einer Art Nachtklub-Revue behandelt. Der Ballo delle Ingrate, der Tanz der lieblosen Frauen, führt einen Prozess mit himmlischem und höllischem Personal: Die Frage dabei – was haben die angeklagten Damen wirklich verbrochen? Waren sie zu lasziv, oder waren sie zu prüde? Sind das gar moderne, emanzipierte Frauen? Und was wollen eigentlich die noblen Mantuaner Männer, die hinter dem Prozess stehen? Propagieren sie die gute, alte, galante Verehrung der Weiblichkeit und der Schönheit - oder wollen sie die Mädels schlichtweg zu sich ins Bett nötigen?


PRESSESTIMMEN
Monteverdi and more. Wo sonst als am Fleischmarkt findet die Barockoper in Wien eine Heimstatt? (....) Für die Festivaleröffnung haben es Regisseur Philipp Har noncourt und Gambist Lorenz Duftschmid als musikalischer Leiter unternommen, drei halbszenische Werke Claudio Monteverdis mit dem „Lamento di Arianna“ zu einem Abend zu amalgieren. (....) Beeindruckender Höhepunkt des Abends: der „Combattimento di Tancredi et Clorinda“. ....klug ausbalanciert zwischen Realismus, Stilisierung und leiser Verfremdung gelang dem Regisseur der Zweikampf, tief berührend die Erkennungsszene. (....) Gut geglückt auch die Verbindung der beiden „Balli“. (...) Hier faszinierte wie gut das rumänische Choreographen-Paar Orsolya und András Vanyolos der Sängerschar in offenbar härtester Arbeit die originalen barocken Schrittfolgen nahe gebracht hat. (...) Sehenswert macht den Abend nicht zuletzt die Bühnengestaltung Maxi Tschunkos. (...) Und wie schön, das die Kostüme von Tanja Hausner ohne öde Modernismen dem Werk und der Entstehungszeit adäquat sind.
Die Presse, 21. Februar

Das Wunder der Liebe und der Tod. Die Kammeroper auf neuen Wegen. Mit einer „Ballo.mortale“-Inszenierung Philipp Harnoncourts startete sie ihr Barock-Festival. (....) Harnoncourt hat die Mini-Bühne durch eine vorgeschobene Rampe und einem Steg bedeutend vergrößert, Renaissance-
architektur (Maxi Tschunko) auf die Bühne gestellt und das Orchester links und rechts der Spielfläche platziert. (...) Lorenz Duftschmid führt das Kammeroper-
Orchester auf historischen Instrumenten und das Vokalensemble mit Geschmack und bedacht auf Wohlklang. (...) Monteverdi zum Kennenlernen! Ein gelungener Abend!
Neue Kronen Zeitung, 21. Februar

Hort der barocken Oper. Es gibt kaum einen anderen Jahres-Betrieb, der sich um die Barockoper mit solcher Hingabe kümmert wie die Wiener Kammeroper Und das sei ihr und ihrem kleinen Festival hoch angerechnet.
Salzburger Nachrichten, 21. Februar

Reise zu den Anfängen der Oper. Schön im Gedächtnis bleibend ist der Eindruck des gemeinsamen Musizierens, den Dirigent, Ensemble und Regisseur gleichermaßen enthusiastisch vermitteln und somit der Aufführungstradition folgen. Das junge Ensemble widmet sich der alten Musik erfrischend unvoreingenommen und liebt und leidet, dass es Monteverdi wohl gefallen hätte.
Wiener Zeitung, 23. Februar

Gelungene Variationen über Claudio Monteverdi. Faszinierend in ihren charakteristischen Stimmungen.
Der Standard, 24. Februar

Wer braucht schon den Opernball, wenn’s einen Ballo.mortale gibt! (....) Auch im dritten Jahr ihres Barock-Zyklus lädt uns die Wiener Kammeroper zu einem Augen- und Ohrenschmaus ein und beweist auf unwiderlegbare Weise, wie wenig die 400jährigen Kompositionen von ihrem Reiz eingebüßt haben, sobald sie eine derart professionelle Umsetzung finden.
YUMYUM.Media, Februar

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